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Liebe Brüder, Der Herr gebe Euch Frieden

Das Handbuch, das Euch hiermit vorgestellt wird, wurde von der Kommission für die personelle Solidarität

vorbereitet, die vom Generalminister und seinem Definitorium im Anschluss an das Generalkapitel 2006

eingerichtet wurde. Das Handbuch ist vom Generaldefinitoium in seiner Sitzung im September 2009 ad

experimentum bis zum nächsten Generalkapitel 2012 genehmigt worden. Das Handbuch stützt sich auf

Beobachtungen und Erfahrungen der letzten Jahre und stellt eine Richtlinie für die Brüder des Ordens dar.

Wir betonen noch einmal, dass die Genehmigung ad experimentum erteilt wurde, so dass sie weiter angepasst

und verbessert werden kann, bevor sie dem nächsten Generalkapitel zur endgültigen Genehmigung vorgelegt

wird. Von einigen Sprachgruppen wurde Unzufriedenheit über den Titel “personelle Solidarität” geäußert.

Da bis dato allerdings keine geeigneten Alternativvorschläge vorliegen laden wir ein entsprechende Vorschläge

hierzu zu unterbreiten. Mit dem Zuwachs an Erfahrung innerhalb der personellen Solidarität in den letzten

Jahren sind auch die Überlegungen über ihren Zweck und ihre Bedeutung im Zusammenhang unserer

internationalen Brüdergemeinschaft gewachsen. Wir möchten an dieser Stelle noch einmal unterstreichen, dass

alle Initiativen im Bereich der personellen Solidarität dem Generalminister zur Beratung, Genehmigung und

Evaluation vorgelegt werden müssen. Wie im Handbuch nochmals betont wird, ist ein solider Missionsgeist

eine notwendige Voraussetzung, um in der personellen Solidarität aktiv zu werden. Wir beten darum, dass der

Herr den evangelischen Geist der Mission im Orden und in einem jeden von uns erneuern wird; den Geist, den

die franziskanische Familie von ihrem Ursprung an gekennzeichnet hat.

Mit einem herzlichen Dank an die Mitglieder der Kommission und brüderlichen Grüßen,

Euer Bruder,

Br. Mauro Jöhri, OFMCap

Rom, 8. Dezember 2009 Generalminister


1. Begriffsklärung

Im Unterschied zu verschiedenen anderen Formen der Zusammenarbeit zwischen den Jurisdiktionen

des Ordens handelt es sich bei der personellen Solidarität, um die durch einen vom Generaldefinitorium

approbierten Vertrag geregelte längerfristige personelle Zusammenarbeit zweier (in Ausnahmefällen auch

mehrerer) Provinzen des Ordens. Sie ist zu unterscheiden von der finanziellen Solidarität als projektbezogener

finanzieller Unterstützung, wie auch von der traditionellen Mission als Einpflanzung der Kirche und des

Ordens in einem bestimmten Gebiet.

Dennoch ist ein solches Engagement nur aus einem missionarischen Geist heraus denkbar und möglich.

Dieser „missionarische Geist“ wird auch von den Brüdern der empfangenden Zirkumskription erwartet,

indem sie sich offen zeigen für neue Initiativen und Ansätze in Pastoral und Evangelisierung, die durch

Gastbrüder angeregt werden könnten.

2. Grundlagen des Konzepts der personellen Solidarität

Wie Franziskus - herausgefordert durch die neue gesellschaftliche Situation – die „Welt zu seinem Kloster“

machte, sind wir von der zunehmenden Globalisierung herausgefordert, die Grenzen von Regionen und

Provinzen zu überschreiten. Konkret bedeutet das: Wir bezeugen und praktizieren Offenheit und Interesse

nicht nur für die Belange der Hausgemeinschaft, sondern auch für die des Gesamtordens, der Kirche und

der heutigen Welt.

In diesem Sinn wird die personelle Solidarität zu einem Zeichen der Brüderlichkeit und gegenseitiger

erlöster Beziehungen, die ein Grundelement der franziskanischen Lebensform bilden.

3. Das Ziel der „personellen Solidarität”

Erhalt und/oder Revitalisierung des kapuzinischen Charismas in einer Regionen, wo der Orden

durch Überalterung und Berufemangel an Lebenskraft verloren hat, durch:

- Belebung der Dynamik und des Gemeinschaftsgeistes in den Gemeinschaften

- Verstärkung der bestehenden Gemeinschaften, um dem Zeugnis mehr Lebendigkeit zu verleihen.

- Überbrücken des Altersabstands zwischen den Brüdern der Provinz und evtl. neuen Bewerbern.

- Hilfe in einem Projekt, das für eine Region zukunftsträchtig wäre, aber mit den einheimischen

Kräften nicht zu leisten ist.

Zeugnis ablegen von franziskanischer Brüderlichkeit in einer multikulturellen Gesellschaft durch:

- Errichtung internationaler oder interkultureller Gemeinschaften

- Pastorale Einsätze bei Migranten u.ä.

4. Forderungen für die personelle Solidarität

a. An die aufnehmende Provinz

i. In der aufnehmenden Provinz muss eine Meinungsbildung betreffs personeller Solidarität

jedem weiteren Schritt in der Projektentwicklung vorausgehen.

ii. Die Motive für die Aufnahme von Brüdern aus einer andern Provinz müssen klar formuliert

werden, indem folgende Fragen bedacht werden:

- Warum laden wir Brüder aus einer andern Provinz ein, um personelle Solidarität

zu praktizieren?

- Was erwarten wir von ihnen?

iii. Vorausgesetzt eine grundsätzliche Bereitschaft sich auf Veränderungen einzulassen,

sind folgende Fragen zu diskutieren:

- Welche Veränderungen werden sich aufgrund der neuen Situation aufdrängen?

- Sind die Brüder der aufnehmenden Provinz bereit, diese Veränderungen ohne Ressentiment

zu akzeptieren?

iv. Der Provinzialminister stellt ein entsprechendes Begehren mit Begründung an den Generalminister.

b. Für die Spenderprovinz

i. Die Anfrage betreffs Beteiligung an einem Projekt der personellen Solidarität kommt

vom Generalminister

ii. Die Anfrage ist in der Provinz bekanntzugeben und zu besprechen

iii. Den Entscheid über Eintritt oder Nicht-Eintritt fällt das Provinzdefinitorium

c. Für die möglichen Kandidaten

i. Sie erwerben sich und bekommen hinreichende Informationen über die zugeteilte

aufnehmende Provinz.

ii. Sie setzen sich mit dem Gedanken einer längerfristigen Landesabwesenheit

und einer Integration in eine fremde Kultur auseinander.

iii. Sie haben eine echte Motivation und sind getragen von einer missionarischen Begeisterung.

iv. Sie besitzen die notwendige Fähigkeit zum Erwerb einer fremden Sprache.

5. Vorbereitungen für die personelle Solidarität

a. Für die aufnehmende Provinz

i. Erwerb von Wissen über die Kultur der Spenderprovinz durch alle Brüder

– Schätzen lernen dieser Kultur.

ii. Aufbau von persönlichen Kontakten zu den Brüdern (bes. Provinzial und Def.)

der Spenderprovinz.

iii. Längere Besuche der Verantwortlichen und der im Projekt speziell involvierten Brüder

in der Spenderprovinz.

iv. Erste Kontakte zu den für einen Einsatz vorgesehenen Brüdern.

b. Für die Spenderprovinz

i. Allgemeine Beschäftigung mit der Kultur der aufnehmende Provinz.

ii. Besuche von Provinzial und Ausbildungsverantwortlichen in der aufnehmenden Provinz.

iii. Bewusstmachen der speziellen Herausforderungen der Kultur der aufnehmenden Provinz.

iv. Bewusstes Freistellen der Gastbrüder für die neue Aufgabe und Erarbeiten entsprechender

Vorbereitungsprogramme.

6. Realisierungsphase

Die Realisierungsphase umfasst einerseits die Periode der Einführung und dann die Periode

des Einsatzes in der aufnehmenden Provinz.

a. Einführungsphase:

Es handelt sich um die Zeit in welcher der engagierte Bruder sich die Qualifikationen

und Kenntnisse erwirbt, die für einen Einsatz in der aufnehmende Provinz notwendig sind.

Die Dauer dieser Phase ist abhängig von der Person des engagierten Bruders und muss von

ihm zusammen mit seinem persönlichen Begleiter bestimmt werden.

Das Einführungsprogramm sollte die folgenden Elemente umfassen:

° Spracherwerb bis zur kreativen Beherrschung

° Kulturelle Integration (Geographie, Geschichte, staatsbürgerliche Grundkenntnisse,

politische Vorgänge...)

° Denkweisen und Werte; kritisches Denken, Lebensstil...

° Spezielle theologische Akzentsetzungen in der Kirche der aufnehmenden Provinz.

° Integration in die aufnehmende Provinz: Sitten und Gebräuche, Projekte der Klöster,

Denkweisen der Brüder, Frömmigkeitsformen, Anekdoten…

° Integration in die Ortskirche: Strukturen, Personen, Anlässe

° Einführungskurs in Brüssel

° Methodisch hat die Einführung möglichst praxisbezogen zu erfolgen; d.h. anhand

von konkreten Erfahrungen sind die verschiedenen Themen abzuhandeln und/oder

zu vertiefen. Kurse, Begegnungen, Vorträge, Weiterbildungsveranstaltungen

und das brüderliche Gespräch sind als Mittel einzusetzen.

Die Einführung ist durch einen vom Provinzialminister zu bestimmenden Bruder zu begleiten,

der auch periodisch Evaluationen über den Stand des Einführungsprozesses vornimmt.

b. Phase des Einsatzes

Der Übergang in die Einsatzphase hat gestuft zu erfolgen, je nach Stand der Einführung.

Es empfiehlt sich, den engagierte Bruder in einer ersten Zeit in einem schon laufenden

Projekt einzusetzen, damit er eine gewisse Sicherheit gewinnt.

Da Brüder aus andern Kulturen die Praxis der aufnehmende Provinz aus einer andern

Perspektive sehen, ist es empfehlenswert, zusammen mit engagierten Brüdern neue

und zukunftsorientierte Projekte zu entwickeln.

Es ist wichtig, dass der engagierte Bruder eine gewisse Identifikation mit der aufnehmenden

Provinz entwickelt, damit er sich zuhause fühlen kann.

7. Vertrag

Diesem Vademecum ist ein Muster-Vertrag als Beilage mitgegeben. Der kann als Modell

für einen Zusammenarbeitsvertrag zwischen zwei Provinzen benutzt werden. Dieser

Mustervertrag enthält alle wichtigen Punkte, die bei einem Engagement im Projekt der personellen

Solidarität berücksichtigt werden müssen.

Ein Zusammenarbeitsvertrag im Rahmen des Projekts personelle Solidarität muss immer

vom Generalminister approbiert werden.

Kopien dieses Vertrags sind allen beteiligten Brüdern auszuhändigen.

Die Fragen der sozialen Absicherung (Kranken- und Unfallversicherung; Altersvorsorge)

sind im Vertrag zu regeln

Der jeweilige Triennalbericht an den Generalminister hat eine Evaluation der Zusammenarbeit

im Rahmen der personellen Solidarität zu enthalten.

8. Alternative Modelle der personelle Solidarität

a. Die personelle Solidarität mit mehreren Provinzen

Allgemein gilt das bilaterale Modell der personellen Solidarität als Norm. In Ausnahmefällen kann

das Generaldefinitorium das Zusammengehen mehrerer Provinzen miteinander gestatten oder

fördern.

b. Die personelle Solidarität mit einer ganzen Gemeinschaft

in einer aufnehmenden Provinz

Für den Fall, dass sich eine aufnehmende Provinz kräftemässig nicht mehr in der Lage fühlt,

einzelne Brüder im Rahmen der personelle Solidarität aufzunehmen und entsprechend einzuführen,

ist es denkbar, dass eine Spenderprovinz mit einer ganzen Gruppe eine Niederlassung der

aufnehmenden Provinz übernimmt.

9. Trennung von personeller und finanzieller Solidarität

Seit Beginn der personellen Solidarität ist stets darauf geachtet worden, die personelle und die

finanzielle Solidarität nicht zu vermischen. Der Orden bemüht sich, innerhalb des Projektes der

internationalen wirtschaftlichen Solidarität einen finanziellen Ausgleich und Gerechtigkeit zu schaffen.

Dies geschieht unabhängig von jedem Engagement im Projekt der personellen Solidarität. Jedoch

soll die aufnehmende Provinz für die Alterssicherung der engagierten Bruder die entsprechenden

Maßnahmen vorsehen.

 

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